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Interview: Dirk Reith über die Kesselhaus Suite


Warum ist Ihrer Meinung nach ein Stück der Neuen Musik besonders geeignet, um die Arbeit eines modernen Design-Museums inmitten alter Industriearchitektur zu vertonen?
Die zeitgenössische Musik hat eine Nähe zu modernem Design, da sie in unserer Zeit entsteht und keine Musik der vorigen Jahrhunderte ist, die immer wieder neu interpretiert wird. Die Kesselhaus Suite hat eine besondere Beziehung zu dem Ort, weil ich in dem Stück Materialien verwendet habe, die in direktem Zusammenhang mit der ehemaligen Energiezentrale von Zollverein stehen: Klänge aus der Arbeitswelt; Klänge, die es hier im Ruhrgebiet schon gar nicht mehr gibt. Und ich verwendete Naturklänge aus den Regenwäldern, die dafür verantwortlich waren, dass wir hier Kohle haben. All diese Klänge kombinierte ich miteinander für diesen Raum.

Sie wurden vom Design Zentrum Nordrhein Westfalen mit der Komposition der Kesselhaus Suite beauftragt. Was hat Sie zu diesem Werk inspiriert?
Mich hat der Ort fasziniert – die Zeche Zollverein als eine in den 1920er Jahren gebaute Hightech-Einrichtung zur Kohleförderung und -verarbeitung. Als weit über 40 Jahre im Ruhrgebiet Lebender interessiert mich die Region und die Konfrontation von Industrie bzw. dem Leben in der Industrie und dem Wandel, der in dieser Region besonders in den letzten 20 Jahren abzulesen ist. All das zusammen genommen machte den Auftrag, für dieses Gebäude eine Komposition zu schreiben, faszinierend.

Was macht die Kesselhaus Suite aus Ihrer Sicht einzigartig?
Es gibt nur diese eine.

Gibt es bestimmte Emotionen, die Sie mit der Kesselhaus Suite hervorrufen wollten?
Musik ist wohl unter allen Kunstformen die emotionalste; sie packt die Menschen direkt. Musik ist keine Sprache, wie es von vielen behauptet wird. Musik kann man hier und da mit Sprache vergleichen, aber Musik ist etwas, das Menschen sprachübergreifend bewegt. Auch Menschen unterschiedlicher Kulturkreise. Man kann die Neunte von Beethoven in Peking, Moskau oder New York spielen – sie wird die Menschen immer erreichen, obwohl es unterschiedliche Kulturkreise und unterschiedliche Sprachen sind.

Wie haben Sie 1997 die Eröffnung des von Lord Norman Foster umgebauten Kesselhauses erlebt, in deren Rahmen Ihr Werk uraufgeführt wurde?
Mich hat damals das durch Lord Norman Foster umgebaute Gebäude fasziniert – diese Mischung aus modernem Design und alter Funktion des Hauses. Der damalige Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens Johannes Rau und viele andere waren damals anwesend. Es war ein besonderer Akt, denn die Kesselhaus Suite wurde mit Live-Flöte von Lesley Olson gespielt und mit einem Signalgeber, den ich von der Zeche Hugo, bevor sie in Gelsenkirchen stillgelegt wurde, bekommen habe. Mit der Glocke wurden für den Maschinisten, der die Materialien dann in die Zeche einfährt, Zeichen gegeben. Und diesen speziellen Glockencode habe ich auch als Material in meiner Komposition verwendet.

Was bedeutet Ihnen das Stück persönlich?
Viel. Es ist für mich nach wie vor ein sehr wichtiges Stück. Dies ist auch daran abzulesen, dass ich unterschiedliche Versionen daraus komponiert habe. Die imposanteste ist wohl die Fassung für Feuerwerk, aber auch die Ouvertüre zur Kesselhaus Suite, die täglich im Red Dot Design Museum gespielt wird.

Foto: Gerno Michalke
Aus dem Gästebuch des Red Dot Design Museums